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Lesestück 1
A German Reading Selection (Part 2)

„Ein Greenhorn“ (Teil II)
Aus Winnetou I von Karl May

TEIL II: 'Greenhorn' 2 > Seite 1, 2

DIFFICULTY LEVEL: Mid-Intermediate to Advanced

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Ich glaubte ganz im Gegenteile, ein außerordentlich kluger und erfahrener Mensch zu sein; hatte ich doch, so was man zu sagen pflegt, studiert und nie vor einem Examen Angst gehabt! Daß dann das Leben die eigentliche und richtige Hochschule ist, deren Schüler täglich und stündlich geprüft werden und vor der Vorsehung zu bestehen haben, daran wollte mein jugendlicher Sinn damals nicht denken.

Unerquickliche Verhältnisse in der Heimat und ein, ich möchte sagen, angeborener Tatendrang hatten mich über den Ozean nach den Vereinigten Staaten getrieben, wo die Bedingungen für das Fortkommen eines strebsamen jungen Menschen damals weit bessere und günstigere waren als heutzutage. Ich hätte in den Oststaaten recht wohl ein gutes Unterkommen gefunden, aber es trieb mich nach dem Westen. Bald auf diese und bald auf jene Weise für kurze Zeit tätig, verdiente ich mir so viel, daß ich, äußerlich wohl ausgerüstet und innerlich von frohem Mute erfüllt, in St. Louis ankam. Dort führte mich das Glück in eine deutsche Familie, in welcher ich einen einstweiligen Unterschlupf als Hauslehrer fand. In dieser Familie verkehrte Mr. Henry, ein Original und Büchsenmacher, welcher sein Handwerk mit der Hingebung eines Künstlers betrieb und sich mit altväterischem Stolze Mr. Henry, the Gunsmith nannte.

Dieser Mann war ein außerordentlicher Menschenfreund, obgleich er das Gegenteil zu sein schien, da er außer der erwähnten Familie mit keinem Menschen verkehrte und selbst seine Kunden so kurz und schroff behandelte, daß sie nur der Güte seiner Ware wegen zu ihm kamen. Er hatte seine Frau und Kinder durch ein grausiges Ereignis verloren, über welches er nie sprach, doch vermutete ich infolge einiger seiner Äußerungen, daß sie bei einem Überfalle ermordet worden waren. Das hatte ihn äußerlich rauh gemacht; er wußte es vielleicht gar nicht, daß er eigentlich ein perfekter Grobian war; der Kern aber war mild und gut, und ich habe oft sein Auge feucht gesehen, wenn ich von der Heimat und den Meinen erzählte, an denen ich mit ganzem Herzen hing und auch heut noch hänge.

Warum er, der alte Mann, grad für mich, den jungen, fremden Menschen, eine solche Vorliebe zeigte, das wußte ich nicht, bis er es mir einmal sagte. Seit ich da war, kam er öfters als vorher, hörte dem Unterrichte zu, nahm mich, wenn dieser beendet war, für sich in Beschlag und lud mich schließlich sogar ein, ihn zu besuchen. Ein solcher Vorzug war noch keinem Andern zu teil geworden, und ich hütete mich daher, die mir gewordene Erlaubnis auszubeuten. Diese Zurückhaltung schien ihm aber keineswegs lieb zu sein; ich erinnere mich noch heut des zornigen Gesichtes, welches er mir eines Abends, als ich zu ihm kam, zeigte, und des Tones, in welchem er mich empfing, ohne auf mein ,good evening' zu antworten:

„Wo habt Ihr* denn gestern gesteckt, Sir?“

„Zu Hause.“

* Note the use of the plural familiar "Ihr" for English "you" - which is not as formal as "Sie".

**Macht mir... (weismachen) = "Don't try to make me believe that / fool me."
„Und vorgestern?“

„Auch zu Hause.“

„Macht mir doch nichts weis!“**

„Es ist wahr, Mr. Henry.“

Pshaw! Solche grüne Vögel, wie Ihr einer seid, bleiben nicht im Neste hocken; die stecken die Schnäbel überall hin, nur da nicht, wo sie hingehören!“

„Und wo gehöre ich hin, wenn es Euch beliebt, es mir zu sagen?“

„Hierher zu mir, verstanden! Habe Euch schon lange einmal nach etwas fragen wollen.“

„Warum habt Ihr es nicht getan?“

„Weil ich nicht wollte. Hört Ihr es?“

„Und wann wollt Ihr denn?“

„Heute vielleicht.“

„So fragt getrost nur zu,“ forderte ich ihn auf, indem ich mich hoch auf die Schraubenbank setzte, an welcher [der] er arbeitete.

Er sah mir ganz verwundert in das Gesicht, schüttelte mißbilligend den Kopf...

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NOTE: If you would like to read the entire "Greenhorn" chapter or all of Karl May's Winnetou I, you'll find the complete text online here: Winnetou I - Projekt Gutenberg. Both the Projekt Gutenberg and Karl-May-Gesellschaft sites also have online texts of other works by Karl May. Also see our Karl May Links page.


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