German Listening Comprehension
Geschichte der deutschen Autobahn
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LISTENING PRACTICE for Intermediate to Advanced Learners of German
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Geschichte der deutschen Autobahn
8.1
Im zweiten Teil von Schau ins Land geht es jetzt um unsere bundesdeutsche Autobahn (66), auf der Sie, liebe Hörer, auch vielleicht schon unterwegs waren. Fritz Lemper und Walter König erzählen uns die spannende Geschichte von der Autobahn:
[Musik] Mein Maserati (67) fährt 210, schwupp, die Polizei hat's nicht gesehen, das macht Spaß, ...
Am 6. August 1932 wurde in Deutschland die erste kreuzungsfreie Straße für die Kraftfahrzeuge dem Verkehr übergeben.* Damit war der Grundstein gelegt für die größte Autorennstrecke der Welt, denn auf den deutschen Autobahnen kann bekanntlich jeder so viel Gas geben, wie es ihm Spaß macht zumindest theoretisch , denn es gibt kein generelles Tempolimit. Von Tempo 210 km/h (68) konnten die normalen Automobilisten 1932 freilich nur träumen. So berichtet der Chronik-Verlag Harenberg: Mit dem Bau von kreuzungsfreien Straßen wird dem gestiegenen Verkehrsaufkommen Rechnung getragen.
8.2
Im Deutschen Reich sind 1932 rund 1,5 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, davon sind knapp 800.000 Motorräder, 525.000 Personen- und 175.000 Lastkraftwagen. Wegen dieser hohen Zahl an Kraftfahrzeugen müssen neue Straßen gebaut und vorhandene, wenn möglich, ausgebaut werden. Die bestehenden Verbindungen mit ihren häufig engen Kurven und schlechten Fahrbahndecken bieten für den Kraftfahrer bei den bereits möglichen Reisegeschwindigkeiten um 100 km/h nicht genug Sicherheit. Die Autobahnen wurden und werden freilich nicht gebaut, um Geschwindigkeitsfanatikern mehr Spaß beim Gasgeben zu ermöglichen, sondern um die Wirtschaft voranzubringen, nach dem Motto: Zeit ist Geld. Gerade in den Anfangsjahren wurde der Autobahnbau auch als Konjunkturmotor eingesetzt. So war der Bau der ersten Strecke von Köln nach Bonn auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.*
8.3
Die Nationalsozialisten (69) unter Adolf Hitler (70) haben den Autobahnbau und seine Beschäftigungswirkung dann gezielt missbraucht. Sie versprachen, 600.000 Menschen zu beschäftigen und damit die Massenarbeitslosigkeit (71) zu beseitigen. In Wirklichkeit waren nie mehr als 125.000 Menschen gleichzeitig mit dem Bau der Reichsautobahnen befasst. Außerdem haben die Nazis viele Arbeiter zum Autobahnbau gezwungen und miserable Löhne gezahlt. Doch die Massen durchschauten diese Tricks nicht, sie glaubten der Propaganda. Sie waren begeistert, als 1935 die erste Reichsautobahn von Frankfurt nach Darmstadt eröffnet wurde:
[Rundfunk] Das Publikum drüben auf den Anhöhen, auf den Böschungen, sie sind nicht zu halten. Die Absperrmannschaften greifen Arm in Arm, um diese gewaltigen Drucklasten, die von hinten herandrängen, in den nötigen Rahmen zurückzudrängen.
8.4
Mein Führer, vor zwanzig Monaten haben Sie am Anfang der jetzt fertig gestellten Strecke am Mainufer bei Frankfurt mit dem Spaten in der Hand den Befehl gegeben, die Bauarbeiten für das modernste Straßennetz der Welt in Angriff zu nehmen. Mit rund 4.000 Beamten und Angestellten hat die Gesellschaft Reichsautobahn die Bauarbeiten auf einer Gesamtlänge von 1.500 Kilometern in Angriff genommen. Ich melde die Fertigstellung der ersten Teilstrecke zwischen Frankfurt und Darmstadt!
Fritz Todt (72), der in einem großen Münchner Straßenbauunternehmen schon vorher an Autobahnplänen mitgewirkt hatte, war Hitlers Mann für den umfassenden Autobahnbau in Deutschland. Todt verbreitete mit großem Erfolg das Propagandamärchen, der Führer habe sich das neue Straßensystem im Gefängnis in Landsberg (73) ausgedacht. Dabei stammen die Pläne, auf die Hitler zurückgegriffen hat, aus den Schubladen eines Vereins zum Bau einer Straße für den Kraftwagen-Schnellverkehr, der schon 1926 gegründet wurde. Trotzdem wurde Hitler in der Öffentlichkeit als geistiger Vater der Autobahn gefeiert. Zwangsarbeit und diktatorische Enteignungen machten es möglich, dass die Straßenbauer trotz leerer Kassen rasch vorankamen.
8.5
Dieter Reschke aus dem Bundesverkehrsministerium:
Bis Mitte 1942 hatte man dann etwa 3.800 Kilometer Autobahnen unter Verkehr und weitere 3.000 Kilometer im Bau. Man sprach damals, oder hatte sich vorgestellt, eine Gesamtnetzlänge von etwa 14.000 Kilometern, das war bezogen auf das damalige Reichsgebiet.
Die Kehrseite der Medaille: Die Reichsautobahnen wurden größtenteils in Handarbeit vorangetrieben. Dabei flossen nicht nur viele Schweißperlen, sondern auch viele Tränen. So berichtet Hermann Engl in seinem Buch Highway Deutschland Das große Buch der Autobahn: Bis 1937 büßten rund 500 Menschen beim Bau der Reichsautobahnen ihr Leben ein. Die Ausfälle durch Krankheit waren enorm. Langzeitarbeitslose, ungelernte Arbeiter oder völlig Berufsfremde als politisch unerwünscht zum Arbeitseinsatz gezwungen waren den Strapazen nicht gewachsen.
8.6
Der Autobahnbau forderte also einen hohen Blutzoll. Dabei wurden die meisten der vielen Autobahnkilometer gar nicht gebraucht, weil zu wenige ein Auto besaßen. Und für Militärtransporte war die Eisenbahn viel besser geeignet. Mit der radikalen Umstellung auf die Kriegswirtschaft wurde deswegen der Autobahnbau beendet. 1932 waren im damaligen Deutschen Reich nur 1,5 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, mehr als die Hälfte davon Motorräder. 70 Jahre später sind in Deutschland über 50 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, 85 Prozent davon sind Personenkraftwagen. Sie können fast 12.000 Kilometer Autobahn befahren, ein Viertel davon auf sechs oder noch mehr Spuren. Die Autobahnen sind also im Lauf der Jahre nicht nur in der Länge gewachsen, sondern auch in der Breite. Die mehrspurigen Pisten ohne Gegenverkehr haben freilich auch viel Geld gekostet: Ein Kilometer Autobahn kostet 5 Millionen Euro!
8.7
A8 (74) von München Richtung Stuttgart, zwischen Günzburg und Leipheim Behinderungen durch ein defektes Fahrzeug. A9, München Richtung Nürnberg, zwischen München ...
Stauwarnungen (75) gehören für Radiosprecher zur täglichen Routine, denn die Autobahnen sind nicht nur an den Wochenenden immer öfter verstopft. Der Verkehr ist schneller gewachsen als das Straßennetz. Auf den Bundesautobahnen ereignen sich Jahr für Jahr rund 25.000 Unfälle mit Personenschäden. Dabei kommen im Durchschnitt jedes Jahr 1.000 Menschen ums Leben, 40.000 werden verletzt. Doch die Verluste durch Unfälle wären wahrscheinlich noch viel höher, wenn es weniger Autobahnen gäbe. Bernd Kulow, Sprecher des deutschen Verkehrssicherheitsrates:
Es sind auch bei uns nicht die Autobahnen, wo wir die vielen Unfälle haben und die vielen Getöteten, das ist eigentlich gar nicht so entscheidend die Autobahnen sind die sichersten Straßen in Deutschland , sondern die vielen Getöteten und Schwerstverletzten haben wir auf den Landstraßen.Deutschland, Deutschland, spürst du mich?
Heut Nacht komme ich über dich, das macht Spaß, das macht Spaß, das macht Spaß ...
So weit also die Geschichte der deutschen Autobahn. Nachtragend wäre noch zu erwähnen, dass im letzten Jahr der längste Autobahntunnel Deutschlands im Thüringer Wald (76) für den Verkehr freigegeben wurde. Der Rennsteigtunnel hat eine Gesamtlänge von acht Kilometern.
*Note: See German Myth 8: The Autobahn for more about the Köln-Bonn segment dedicated by Konrad Adenauer on Aug. 6, 1932. Hitler did not come into power until January 30, 1933.
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FOTO > Autobahn A1 bei Lübeck
NOTE: This sound file and its transcript were originally published in Schau ins Land audiomagazine (read my review) and are used with the permission of Champs-Élysées, Inc.
