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German Listening Comprehension
Servus, Herr Oberkellner!

Audio - Transcript

LISTENING PRACTICE for Intermediate to Advanced Learners of German

The following transcript accompanies the "Servus, Herr Oberkellner!" audio file. You can choose to read it before, while, or after listening to the MP3 audio. Note that this article includes a Study Guide glossary (listed by section, i.e., 9.1, 9.2, etc.) and a number of terms which are more fully explained in the Study Guide section—indicated by the numbers in ( ).


Servus, Herr Oberkellner!

9.1
Schau ins Land, Österreich:

Alex Wachsmuth berichtet uns diesmal von einem gewissen Herrn Robert aus dem legendären Landtmann-Café (77) in der Wiener Innenstadt. Dazu viel Spaß:

Wien, liebe Hörerinnen und Hörer, ist anders. Das lässt Bürgermeister Dr. Michael Häupl (78) allen Besuchern ausrichten und ist schon entlang der Einfahrtstraßen auf Plakatwänden zu lesen. Es kann kritisch oder lobend ausgelegt werden. Ich berichte darüber mit einer netten und typisch wienerischen Geschichte. Denn wo sonst verabschiedet der Bürgermeister persönlich den langjährigen Oberkellner eines der unter Bürgern wie Touristen bekanntesten Cafés mit einer Auszeichnung? Und serviert ihm dazu in umgekehrter Rollenverteilung einen „Kleinen Braunen“ — ein Getränk, das es auch nur hier gibt, nämlich eine kleine Schale (79) (in Deutschland sagt man „Tasse“) Kaffee mit etwas Milch. Und selbstverständlich auf einem Tablett mit einem Glas Leitungswasser, wie das in Wien, Stadt mit legendär gutem Trinkwasser aus Gebirgsquellen, unumstößlicher Brauch ist.

9.2
Der Geehrte war knapp 30 Jahre lang als Herr Robert Chef des Servierpersonals im Café Landtmann an Wiens Prachtboulevard, der in keinem Architekturlexikon fehlenden Ringstrasse (80), neben dem Burgtheater und gegenüber dem Rathaus.

—Was kann ich für Sie noch tun, meine lieben Damen?

—Zahlen, bitte!

—Sie wollen mich verlassen, mit anderen Worten? Sie wollen die Rechnung haben?

—Ja, bitte.

—Die lieben Ladies sind wieder da, gell? Jeden Mittwoch dasselbe, gell? Oder?

—Und wenn man ihn dann weggehen sieht von hier, wenn er dann elegant angezogen hier abmarschiert, wenn er fertig ist, das ist köstlich. Wirklich elegant und schön und einfach ein Herr, ja.

9.3
Der Herr Robert, mit vollem Namen Robert Böck, bekam außer dem Kaffee die Auszeichnung der „Kleinen Statuette des Goldenen Rathausmanns“, eine Art Verdienstorden. Der eigentliche Rathausmann ist ein Wiener Wahrzeichen als überlebensgroße eiserne Figur eines Ritters, der hoch auf der Spitze des Rathausturms Wind und Wetter trotzt und über Wien wacht. Zur Verabschiedung des 62-Jährigen in die Pension pries Häupl ihn als Wiens berühmtesten, diskretesten und zuvorkommendsten Kellner, der —zur Legende geworden —der Institution des Wiener Cafés (81) großen Dienst erwiesen habe.

Es kriegt jeder seinen Tisch. Der eine hat einen schöneren, der andere einen kleineren, der andere einen größeren, oder? Stimmt's? Außer es kommt der Bundeskanzler oder Bundespräsident, dann muss man ihm schon einen großen Tisch geben, nicht, mit Blumen natürlich, ne?

9.4
Serviert hat er 47 Jahre lang, davon 29 im „Landtmann“, das der einschlägigen Familie Querfeld gehört. Den Berufsstand nennt man vornehm Cafétier, auf gut wienerisch aber Kaffeesieder.

—Durch dieses Wissen und durch dieses Kennen der vielen Leute hat er natürlich ein ganz, ganz großes Spektrum und eine Machtposition hier.

—So?

—Ja natürlich!

Das Lokal hatte kürzlich 125. Geburtstag. Gegründet wurde es von Franz Landtmann zur Zeit der damaligen Wiener Weltausstellung. Bekannt wurde Herr Robert nicht nur für perfekten gastronomischen Service und als Chef einer vielköpfigen Brigade, denn im Landtmann kann man auch speisen wie in vielen Kaffeehäusern Wiens. Sein eigentlicher Ruhm war der eines „Schmähführers“ — und diesen Ausdruck gibt es wahrlich nur in Wien. Das Wort „Schmäh“ geht, wie viele im wienerischen Dialekt, auf das Hebräische respektive Jiddische zurück, nämlich das Wort schma, was so viel bedeutet wie „höre“. In Wien wird es für die Begriffe „Pointe“ oder englisch „Gag“ benutzt. Für den Herrn Robert bedeutete das zum Beispiel, bekannte und neue Gäste willkürlich mit Titeln anzusprechen und sie als „Herr Doktor“ oder „Herr Direktor“, wenn nicht manchmal als „Herr Minister“ anzureden. Ob sie das nun waren oder meist nicht, waren sie für Herrn Robert als Kunden immer König.

—Frau Gräfin! Wie immer, oder gibt es heute was Neues?

—Nein, nicht!

—Ja, sie kriegt immer dasselbe: Zwei Kaffees trinkt sie jeden Tag, immer einen halben Liter Wasser dazu.

9.5
Im heimatlichen Parndorf im Burgenland (82) wird Herr Robert jetzt Biogetreide anbauen.

Diese Betreuung, die sie bei mir gehabt haben, die wird ihnen fehlen. Die Ansprache, nicht, dass ich jeden ... zu jedem 'sagt habe — was weiß ich — Exzellenz oder — was weiß ich — Doktor oder Direktor oder was. Aber so schnell werden sie mich nicht vergessen, glaube ich nicht.

Er wird uns fehlen. Den Gästen auch. Er gehört einfach dazu. Er ist ja mit dem Landtmann groß geworden praktisch. Es wird zwar ein Landtmann ohne Robert auch geben, aber es wird nicht mehr dasselbe sein, glaube ich.

Auch wenn er es nicht wirklich hören wird: Ich verabschiede mich von ihm mit einem herzlichen „Servus, Herr Robert“ und wünsche ihm alles Gute. Ihr Alex Wachsmuth aus Wien.


Note: See our German-English Menu and Dining Guide for more restaurant and dining vocabulary.

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Servus, Herr Oberkellner!
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NOTE: This sound file and transcript were originally published in Schau ins Land audiomagazine (read my review) and are used with the permission of Champs-Élysées, Inc.

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